Die Geschichte vom kleinen und vom großen K

Man kennt derartige Märchen von den Brüdern Grimm, von Andersen oder Hauff: Da gibt es den kleinen und den großen Klaus oder den dicken und den dünnen Franz oder andere wunderliche Paare. Meist geht es in diesen Geschichten um die Wurst, und die erhalten – wenn sie nicht gestorben sind – am Ende meist der große Klaus und der dicke Franz.

Das große K ist im Falle unseres auf sinnlich-orientalisch anmutende Tücher gestickten Treppenhaus-Märchens – jeder hat es geahnt - die freie Kunst. Die Großmeister der Malerei zum Beispiel schaffen Werke mit diesem Gütesiegel. Das kleine K der kleinen Kunst ist den weitaus zahlreicheren Kleinmeistern vorbehalten: Plakatmachern, Möbeltischlern, Hinterglasbildmalern. Sie sind die Künstler für das breite Volk, vor denen die Künstler des großen K, es soll vorkommen, nicht einmal den Hut ziehen. Wenn es da nicht all jene Grenzgänger gebe, die sich um eine solche reine Kategorienlehre wenig scheren und scherten: Kurt Schwitters zum Beispiel schrieb und malte zusammen mit Kate Steinitz das Märchenbuch Die Scheuche, bei dem K und k gar nicht auseinanderzuhalten sind. Wie überhaupt die Trennungslinie zwischen dem K-Reich und dem k-reich auf der Landkarte der Bildenden Kunst gar nicht einmal so alt ist und auch immer wieder aufgehoben wurde und wird, sei es von den Russischen Revolutionskünstlern, sei es von den Bauhausmeistern, sei es von Nam June Paiks Videoarbeiten.

Schlußfrage: Wie ist die hier behandelte Rauminstallation einzuordnen –
Große Kunst, kleine Kunst, zwischen der Kunst?

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